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Teilautomatisierung U2/U4 in Hamburg

Nutzen-Kosten-Untersuchung für die Teilautomatisierung auf Abschnitten der U-Bahn-Linien U2 und U4 in Hamburg nach dem Verfahren 2016+ der Standardisierten Bewertung.

Ausgangssituation

In den nächsten Jahren wird in Hamburg das Fahrgastaufkommen deutlich steigen. Gründe dafür sind strukturelle Entwicklungen und Bevölkerungswachstum, günstigere Ticketpreise (Deutschlandticket deutlich günstiger als Zeitkarten im HVV) sowie Push-Maßnahmen im mIV zum Erreichen der Klimaschutzziele und einer tatsächlichen Mobilitätswende. Als eine von vielen Maßnahmen plant die HOCHBAHN neben der Ausweitung ihres U-Bahn-Netzes durch die neue U-Bahn-Linie U5 auch die Teilautomatisierung (Grade of Automation 2 - „GoA2“) einiger Streckenabschnitte im Bestandsnetz. Diese wird aufgrund des prognostizierten Fahrgastzuwachses benötigt, um einen stabilen Be-trieb bei hohen Taktdichten auf den Bestandslinien U2 und U4 zu gewährleisten.

Aufgabenstellung

In einer Voruntersuchung zur Standardisierten Bewertung war zu prüfen, mit welchen fakultativen Modellbausteinen die aussichtsreichste Ausgangslage für die Standardisierte Bewertung geschaffen werden kann. Denkbar waren die fakultativen Modellbausteine „Kapazitätsrestriktionen in der Hauptverkehrszeit“ und „Betriebsqualität“, ggf. in Kombination. Vom Auftragnehmer war eine Einschätzung erwartet, welches Szenario am besten geeignet ist. Im Anschluss ist eine Nutzen-Kosten-Untersuchung für die Teilautomatisierung der U-Bahn-Linien U2 und U4 nach der Verfahrensversion 2016+ der Standardisierten Bewertung durchzuführen. Dies erfolgt in Abstimmung innerhalb eines Arbeitskreises bestehend aus dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV), der Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM), der Hamburger Hoch-bahn AG sowie anlassbezogen dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV).

Vorgehensweise

Für die Voruntersuchung wird eine bewertungstechnische Prüfung vorgenommen. Dies impliziert eine vereinfachte Anwendung der fakultativen Modellbausteine „Kapazitätsrestriktionen während der Hauptverkehrszeit“ und „Betriebsqualität“ anhand ausgewählter Relationen. 

Im Rahmen einer theoretischen Betrachtung wurde in Abstimmung mit dem Auftraggeber nachvollziehbar hergeleitet, welche Wirkungszusammenhänge zwischen variablen Eingangsgrößen (z. B. Kapazitäten, Pünktlichkeiten, Taktdichten) und den monetarisierten Nutzenwirkungen im Verfahren bestehen und wie sich daraus ein im Sinne des Bewertungsergebnisses aussichtsreicher Ansatz ableiten lässt. 

Für den beauftragten fakultativen Modellbaustein „Betriebsqualität“ wird eine mikroskopische Betriebssimulation durchgeführt. Als Grundlage stellt die HOCHBAHN ein OpenTrack-Modell sowie aktuelle Betriebsdaten zur Verfügung. Mithilfe der Simulation werden die Kenngrößen für den Modellbaustein Betriebsqualität ermittelt. 

Die Durchführung der Standardisierten Bewertung erfolgt auf Basis eines hierfür geeigneten Visum-Verkehrsmodells und in folgenden Schritten 

  • Aufbereitung der Datengrundlagen / Analysefall

  • Ohnefall

  • Mitfall und Bewertung

Die Gutachter sind darüber hinaus beratend zuständig für die Entwicklung von Szenarien und geeignete Maßnahmen im Sinne eines zielführenden Ergebnisses.

Bisherige Ergebnisse

Zur Entscheidungsfindung wurde eine bewertungstechnische Prüfung der fakultativen Ansätze vorgenommen und mit dem BMDV abge-stimmt. Die Abschätzungen zeigen, dass eine Verbesserung der Be-triebsqualität zu einem hohen Fahrgastnutzen führt. Dies belegt, dass die Betriebsqualität für die bisherigen und potenziellen Fahrgäste ein zentrales Qualitätskriterium ist. Es wurde deshalb empfohlen, das Mo-dul zur Betriebsqualität in der Standardisierten Bewertung zur Teilau-tomatisierung der U2/U4 anzuwenden. Ein qualitativ hochwertiges ÖPNV-Angebot ist wichtig, damit den politischen Zielsetzungen (Mobilitätswende, Klimaschutz, Reduktion des Flächenverbrauchs in der Stadt …) Rechnung getragen wird. Die geplanten Maßnahmen werden dazu entsprechend beitragen.