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Machbarkeitsstudie Regiotram Aachen

Ausgangssituation

Die Projektidee „Regiotram“ sieht eine schienengebundene Anbindung des Nordraums der Städte Region Aachen mit den Kommunen Würselen, Alsdorf und Baesweiler an die Aachener Innenstadt vor. Auf Basis einer Tram-Lösung soll die Regiotram einen ergänzenden Baustein des seit vielen Jahren bestehenden euregiobahn-Netzes darstellen. Mit der Regiotram soll eine deutliche Verkehrsverlagerung vom MIV auf den schienengebundenen ÖPNV auf einer der nachfragestärksten Verkehrsachsen initiiert werden.

Aufgabenstellung

In einer Voruntersuchung war zunächst ein Verkehrssystemvergleich durchzuführen. Für den Nordraum von Aachen wurden dazu folgende Szenarien verglichen:

  • Szenario 1 – Schnellbus:
    Einführung eines Schnellbussystems auf weitestgehend eigener Infrastruktur
  • Szenario 2 – Regiotram Basis: 
    Schienengebundene Regiotram, deren Trassenführung soweit möglich bestehende Schieneninfrastruktur und gewidmete Eisenbahninfrastruktur nutzt
  • Szenario 3 – Regiotram Direkt: 
    Schienengebundene Regiotram, schnelle Verbindung mit guter Erschließung der Siedlungsschwerpunkte auf der Achse Aachen Innenstadt – Würselen – Alsdorf – Baesweiler (BOStrab-System) 

Der Vergleich zeigte eindeutig die Vorteilhaftigkeit von Szenario 3 auf-grund der erreichbaren attraktiven Fahrzeiten und der hohen System-leistungsfähigkeit. Empfohlen wurde, mit der Tram nicht am Bushof zu enden, sondern eine Verbindung durch die Innenstadt zum Haupt-bahnhof zu integrieren, da die Erreichbarkeitsverhältnisse im ÖPNV-System dadurch deutlich verbessert werden. Für das Szenario 3 waren darauf aufbauend vertiefende Untersuchungen durchzuführen mit dem Ziel, die bautechnische, betriebliche und wirtschaftliche Machbarkeit zu prüfen.

Vorgehensweise

Innerhalb der vertiefenden Untersuchung wurden verschiedene Trassenvarianten miteinander verglichen, insbesondere für die Gemeinde Alsdorf waren mehrere Möglichkeiten zu diskutieren. Für vier Varianten wurde die bauliche und betriebliche Machbarkeit untersucht. Auch für den ergänzenden Busverkehr wurde eine Konzeption erarbeitet. Außerdem wurde eine vereinfachte Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) nach dem Verfahren der Standardisierten Bewertung, Version 2016+, durchgeführt.

Ergebnisse

Sowohl die technische als auch die wirtschaftliche Machbarkeit kann für alle 4 Varianten dargestellt werden. Empfohlen wird ein tages-durchgängiger 30-Minuten-Takt, zur Hauptverkehrszeit verdichtet auf einen 15-Minuten-Takt. Zwischen Würselen und Aachen ist aufgrund des prognostizierten hohen Fahrgastaufkommens ein 7,5-Minuten-Takt erforderlich. Die Fahrzeit der Regiotram zwischen Baesweiler Nord und Aachen Normaluhr liegt bei 50 Minuten, sodass ein zum Pkw konkurrenzfähiges Angebot entsteht. 

Je nach Variante werden 33.000 – 38.0000 Beförderungsfälle am Werk-tag für die Regiotram erwartet. Dadurch wird der Straßenverkehr um mindestens 4.000 Fahrten pro Tag entlastet, was einer Einsparung von über 15 Millionen Pkw-km pro Jahr entspricht. Die Reduktion der CO2-Emissionen durch die eingesparten Pkw-Fahrten beträgt mehr als 2.000 Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus verbessert die Regiotram die Erreichbarkeit im Untersuchungsraum und trägt zur Funktionsfähigkeit in der Stadt Aachen bei. 

Ergänzend wurden weitere Planfall-Untersuchungen durchgeführt, um mögliche Erweiterungsäste der Regiotram frühzeitig mitzudenken. Ein Erweiterungsast sieht die Anbindung des Flugplatzes Merzbrück und des an dieser Stelle vorgesehenen Gewerbegebiets „Aero-Park“ vor. Ein anderer Erweiterungsast verläuft nach Übach-Palenberg, eine westlich an Baesweiler angrenzende Gemeinde. Beide Erweiterungsäste enden an einem Haltepunkt mit Umsteigemöglichkeit auf den SPNV. Es zeigte sich, dass auf beiden Ästen weitere starke Impulse für die Regiotram erwartet werden können und eine technische, betriebliche sowie wirt-schaftliche Machbarkeit gegeben ist.